Unser Pastor Dmitriy Siroy

DSCF6569Es war schon Abend und an dem Tag hatten wir nichts zu tun. Eine Bekannte hat uns eingeladen, um mit uns Karten zu legen. Warum auch nicht, es ist doch interessant zu erfahren, was die Zukunft uns vorbereitet hat.

Nach all dem Trinken und Essen hat die Gastgeberin die Karten gelegt. Aber die vielen allgemeinen Begriffe, die wir hörten, hinterließen bei mir und meiner Ehefrau keine Eindrücke: alles nur Abstraktion und nichts konkretes. Dann hat die Gastgeberin das Thema gewechselt und fing an uns von irgendeiner Kirche zu erzählen – es war keine russisch orthodoxe Kirche –, wo ein älterer Mann von Gott spricht und Menschen sich bekehren und geheilt werden. „Eine Sekte“, habe ich gleich gedacht. Meine Frau dagegen hat sich interessiert, ob man diese Kirche auch besuchen könnte. „Natürlich nicht!“, meinte die Gastgeberin, „ich muss zunächst um Erlaubnis bitten – so einfach kommt man da nicht rein!“. Doch meine Frau blieb hartnäckig und nach drei Wochen hatte sie die Erlaubnis.

Und so begann meine Frau – Schreck laß nach! – diese Gemeinde zu besuchen. Und plötzlich kamen alle unsere Gespräche von Geld und Klamotten auf Gott und die Bibel. Ich habe sofort verstanden: sie ist hilflos in den Sog geraten!

Nach wenigen Wochen fing sie mir auch noch Andeutungen zu machen, dass es nun für mich Zeit wäre, Gottesdienste zu besuchen. Aber ich bin doch Jude! Von welchen Kirchen, Gottesdiensten und Sekten redest du denn?!.. Schließlich zog ich mein himbeerrotes Jackett an und fuhr mit ihr zu den Typen, die sie „reingelockt“ haben, um ein für alle Mal alles klarzustellen. Ich war endgültig entschlossen.

Das Kirchengebäude war ein Kinosaal. Der Saal war schon fast überfüllt, als ich plötzlich unten auf der Bühne einen Bekannten sah – wir haben zusammen den Wehrdienst absolviert –, von dem ich schon seit 7 Jahren (!) nichts mehr gehört habe. Und obwohl wir uns damals nicht schlecht verstanden, war in ihm etwas, was mir nicht passte. Er hat sich nie geprügelt, hat weder getrunken noch geraucht, hat nicht geschimpft, war immer ruhig und dabei freundlich und ausgeglichen. Trotzdem habe ich ihn mir niemals zu nahe kommen lassen. Und überhaupt, was gehen mich die Gläubigen und Christen an, ich bin doch Jude, also ganz anders!

Und da kam er auf mich zu und sagte: „Hallo!“. Ich begrüßte ihn ebenfalls und dachte: „Jetzt werde ich zugetextet!“. Doch plötzlich fing die Musik an zu spielen und er entfernte sich wieder. Nach dem Lobpreis hat man Kollekten eingesammelt und ich verstand sofort: „Aha! Darum dreht es siech hier also – um Geld! Alles klar!“

Die Predigt begann. Ich saß da mit einem schadenfrohen Lächeln und malte mir schon aus, wie ich gleich alles „klarstellen“ werde. Ich bin der Predigt kaum gefolgt. Doch am Ende vernahm ich, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist und Gott Ihn auferstehen ließ und wenn ich mich bekehre, Gott mein Herz erneuern und mir das ewige Leben schenken wird. Und auf einmal fing in mir etwas zu sprechen an: ich sei ein schrecklicher Sünder und müsse mich bekehren. Ich war damit sofort einverstanden und fühlte plötzlich, dass meine Zukunft überhaupt keinen Sinn mehr haben wird, wenn ich nicht nach vorne gehe und Gott mein Leben nicht überreichen und meine Sünden nicht bekennen werde.

Der Prediger hat die Einladung „nach vorne zu kommen“ noch gar nicht beendet, als ich von meinem Platz aufsprang und auf die Bühne rannte. „Ich will!“. Er schlug zu beten vor. Als wir beteten, flossen Tränen aus meinen Augen. Zum ersten mal seit vielen Jahren weite ich wie ein Kind. Alle meine Sünden waren verziehen und ich war von Gott aufgenommen worden. Und obwohl ich damals vieles nicht verstand und nicht begriff, kehrte Gott in mein Leben ein. Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Danach bin ich mit meiner Frau in die Familie Gottes, die „Gemeinde“ heißt, hineingeflossen, wo ich bis heute versuche Gott mit meinen Talenten und Kräften zu dienen. Mein alter Armeefreund war der Pastor der Gemeinde und seit dem Tag auch mein Pastor. Ich bin glücklich! Und dieses Gefühl hat mich bis zu diesem Tag – schon seit 8 Jahren – nicht mehr verlassen.
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PS. Und erst nach ein paar Jahren habe ich verstanden, dass der Glaube nicht von Werken, sondern von Gott kommt und die Werke des Menschen den Glauben nur bestätigen. Unsere Bekannte, durch welche Gott zu meiner Frau und mir gesprochen hat, wollte von dem Kartenlegen nicht wegkommen. Sie ist auch noch bis heute mit dieser Welt.