Essays (Archiv)

Simon aus dem Haus Davids

Schon Samstags Morgen war er schlecht gelaunt. Und nicht weil er über etwas verärgert war - überhaupt nicht – es gab einfach nichts worüber man sich hätte freuen können und eigentlich ging es überhaupt nicht um Freude..., es war einfach, dass er wieder mal von Schwermut eingeholt war. „Der Morgen begegnet uns mit Kühle...“. Er versuchte sich aufzumuntern.... Es klappt nicht.... Wo ist der Morgen, wo die Kühle- wo, frage ich Sie? Wo?! Wenn du gut über 70 Jahre alt bist, die Kinder davongelaufen sind und die geliebte Frau an Diabetes, Blutdruck und zu Dessert an Gicht leidet, du selbst auch bei jeder nebensächlichen Nervosität Schmerzen in der Brust spürst – Ach! Eine alte Geschichte.

„Stehst du heute noch auf?! ... Ach, bleibe doch liegen, von dir hat man eh keinen Nutzen.“ Die Stimme der geliebten Frau, so laut und voller Liebe, wie üblich, zwang ihn vom Bett aufzustehen. Im Kopf ein stiller Protest: „Und wenn ich noch 30 Minuten länger liegen bleibe, was dann? Was dann?! Was dann?!!! Nichts!“. Er wollte nicht streiten. Während der 46 Jahre die sie zusammen gelebt haben.... Mein Gott, 46 Jahre.... Wirklich 46 Jahre?!

Er wusch sich, frühstückte, ließ sich zeit beim Anziehen und ging auf die Straße. Heute ist die Sitzung der Leitung. Schon seit 5 Jahren ist er Mitglied in... Ist dies eine Leitung?! Damals, vor 20 Jahren hatte er eine wirkliche Leiterposition auf seiner Fabrik. Das war eine Leitung.

Sima! Sima aus dem Haus Davids!!! Und dein Regenschirm?!“ Die Stimme der Ehefrau aus dem Fenster ihrer Wohnung ließ ihn nach oben schauen. Ja, irgendwann in Moskau haben sie sich kennengelernt... Auf dem Haus, in dem er wohnte, hing eine Erinnerungstafel zu Ehren Dennis Dawidow, des Kriegshelden des Jahres 1812.

Er lächelte und machte eine Handbewegung. Er wollte nicht umkehren, legte einen Schritt zu ging in die Richtung der Bushaltestelle. Im Bus versuchte er sich zu erinnern.... Wie konnte es passieren, dass er, Sima, Simon, Samuel Israelewitsch Reichschtein, ein Held, ein voller Kavalier, Teilnehmer und Veteran... in Deutschland lebt. Eigenartig...

Da ist auch schon die vertraute Straße. Polizisten sitzen mit traurigen Gesichtern in ihrem Auto in der Nähe des Einganges. Er drückte auf die Klingel und blickte in Richtung der Kamera. Das Schloß dröhnte, er drückte die Tür.

Im Raum war es schwül, wenn man es dabei belassen möchte, obwohl dort nur wenige Menschen waren. Er setzte sich nicht weit von der Tür. „Warum mögen wir es Knoblauch zu essen?“ dachte er. Das Verlangen zu leben, zu überleben und auf der Beerdigung des Nachbarn dabei zu sein, oder etwas anderes? Es gibt doch Lebensmittel mit einem ebenso hohen Vitamingehalt und ohne Geruch. Na, zum Beispiel Kiwi. Aber nein, es muss ja Knoblauch sein! Warum?! Die Frage hing in der Luft, wenn man dies als Luft bezeichnen könnte, aber vielleicht hing sie auch deshalb.

Nach 2,5 Stunden von lauten Diskussionen, Debatten und Wahlen, war die Versammlung beendet. Praktisch ohne sich zu verabschieden, ging jeder wieder seinen Weg, wie nach einer schweren und auslaugenden Arbeit. Er beschloss noch ein wenig in der frischen Luft zu spazieren. Er schlenderte und dachte über sein Leben nach. Wie seltsam es auch vorkommen mag, waren seine besten Jahre während des Krieges.... Die Jugend, einfach die Jugend. Und dass sie sich währen des Krieges entfaltete, das war nicht seine Schuld.

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Die Quelle und das Meer. Ein Märchen für Erwachsene

Das Meer war gross und stark und die Quelle klein und schwach. Als sie mit Anstrengung die Dicke der Erde überwunden und einen kleinen Riss im Felsen am Ufer fand, trat sie mit leichtem Prickeln an die Oberfläche. Ach, wie schön alles rund herum war! Die grelle Sonne, der tiefe Himmel, das grün-blaue Meer und der alte Felsen, der vom Meerwasser und dem Wind ganz zersetzt war, und welcher die Quelle beherbergte.

Das Meer war warm und ruhig. Die Quelle hat es auch gleich mit ihren kühlen Wassersträngen, die den Felsen entlang ins Meer strömten, gespürt. „Also sind wir Freunde“, sagte die Quelle. „Mal schauen“, antwortete das Meer.

Doch es kam nicht zu einer Freundschaft. Und Schuld waren die Menschen, so dachte zumindest das Meer. Menschen – es waren gerade die, für welche es auch existierte. Das Meer gab ihnen alles was es hatte. Das Meer liebte die Menschen. Was sind sie ohne mich?

Und das hier ist bewundernswert. Sobald die Menschen die Quelle sahen, äußerten sie solch eine stürmische Begeisterung, welche das Meer noch nie gesehen hatte. Und das wichtigste, was auch zum Gegenstand dieses Neids wurde, war, dass die Menschen dieses Wasser tranken.

Warum trinken sie nicht mein Wasser? Aber dabei blieb es nicht: das Meer merkte, dass die Menschen, wenn sie das Meerwasser in ihren Mund bekamen, spuckten und sehr wütend auf das Meer waren.

Und das? Solch ein kleines Ding, man sieht es ja kaum und die Menschen kommen und kommen und kommen.... Jemand brachte sogar einen großen emaillierten Becher mit. Das war die Höhe! Und das Meer beschloss die Quelle zu töten. Dafür musste es nur den Felsen zerstören.

Und das Meer begab sich an die Arbeit. Der Felsen war alt, die Quelle klein und das Meer gross und stark. Die Kräfte waren ungleich. Und dann, einer Nacht, zerbrach der Felsen mit schwerem Heulen. „Entschuldige mich“, sagte der Felsen. „Endlich“, flüsterte das Meer.

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Ameisenhaufen

Er mochte zwei Sachen: den Wald und die Bibel...

Und wenn es ihm dabei gelang den Spaziergang im Wald mit dem Bibellesen zu vereinbaren, war er glücklich – der Tag war nicht umsonst gelebt. 


82-jährig schätzte er dieses Gefühl. Üblicherweise nahm er immer denselben Weg und er liebte es zu beobachten, wie sich der Wald mit den Jahreszeiten ändert. Das, was er jetzt gesehen hat, hat ihn verwundert. Dort, wo noch gestern nichts war, erhöhte sich ein Ameisenhaufen fast einen ganzen Meter über dem Boden. Er näherte sich ihm, zog seine Brille an und fing an die Bewohner desselben sehr aufmerksam zu beobachten.

Auf den ersten Blich – die Nichtigkeit der Nichtigkeiten... Gleich dachte er an die Worte des weisen Salomon „ ... und die ewige Nichtigkeit...“. Doch das war nur auf den ersten Blick. Ihre Bewegungen, ihre Arbeit sich nicht dem Ameisenverstand, sondern dem Gesetz, welchen der Schöpfer ihnen gegeben hat, untergeordnet... und sie führen es ohne zu überlegen – das ist bemerkenswert – sehr erfolgreich aus.

Der Ameisenhaufen wuchs vor ihm immer höher. Den Fleiß dieser winzigen Insekten kann man nur bewundern. Es ist ja auch nicht von Ungefähr, dass die heutigen Menschen, wenn denn vom Fleiß sprechen, sich mit Ameisen vergleichen.

Die Ameisen arbeiteten, arbeiteten und arbeiteten. Doch er schenkte seine Aufmerksamkeit einer roten Ameise. Es schien, als ob er kleiner als alle anderen war, doch vor sich schob er ein weißes Ei, das bestimmt viermal so schwer war, wie er selbst. Es war jedoch nicht seine Gewohnheit einfach zu stehen zuzusehen, wie andere sich quälen. Also nahm er einen dünnen Ast und half dem Ameisen das Ei nach oben zu schieben.

Doch es geschah etwas seltsames. Die Ameise blieb stehen, stellte sich auf die hinteren Beinchen, indem es sich mit dem Rücken an das Ei lehnte, richtete seinen Kopf nach oben und erstarrte. Es sah aus, als ob er den mit weißen Haaren bedeckten Riesen gründlichst erforschte. Der Greis schreckte zurück. Es erschien ihm, als würde er hören: „Und jetzt? Hast du nichts besseres zu tun? Hä?!“. Der Greis lächelte bei diesem Gedanken. „Das ist ja ein Sonderling! Es hätte keinen Augenblick gedauert, da hätte ich das Ei schon nach oben befördert und so muss er sich nun einen ganzen Tag damit abquälen“, dachte er. Und überhaupt war die Positionierung des Haufens unglücklich gewählt – am Straßenrand. Wenn jemand eine Zigarettenkippe hinwirft, dann war‘s auch schon...

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Aus den Erinnerungen eines Juden, der Ägypten verlassen hatte...

... aber ins verheißene Land nicht einget

- Wo sind sie so schön braun geworden, Liebchen?
- In Ägypten... wunderbarer Service und vor allem günstig...
(Aus einem belauschten Gespräch in einer Synagoge der Stadt N)

Aber, lieber Leser, warum haben Sie denn solch traurige Augen, wenn man von Ägypten spricht? – Nein, wälzen Sie die Schuld nicht auf die Eltern und das schwere Erbe. Mit solch einem Gesichtsausdruck kann man nicht geboren werden – sterben schon, aber geboren werden,... das wohl nicht. Und was ist mit Ägypten? Ja, die Juden hatten dort kein süßes Leben, aber hatten die Ägypter denn ein besseres? Obwohl wir dort als Sklaven gehalten wurden, waren unsere Leben ungefähr gleich – ich meine das Wohnen, Essen und Geld natürlich. Wobei wir von dem letzteren tatsächlich hatten, was man nicht unbedingt von den Ägyptern behaupten kann.

Aber der ägyptische Stolz. Bei jeder Kleinigkeit: wir sind hier in unserer Heimat und wer seid ihr? Nu, darauf wussten wir zu antworten – was meinen Sie wohl warum die Pyramiden so langsam gebaut wurden – ich hoffe es bedarf keine Erklärungen... Natürlich gab es viele öffentliche Prozesse gegen Bauarbeiter - Schädlinge, aber was hatten sie schon davon: tiefer als Sklave kann man nicht fallen - gibt es nicht. Und so lebten wir. Mit vielen hatten wir sogar Freundschaften geknüpft und besuchten uns gegenseitig. Und wenn sie dann von ihrem Brei wieder mal viel getrunken haben, ärgern sie sich über den Ramses. Wir machten natürlich große Augen:... wirklich? ... gibt’s das denn! ... dieser Dreckskerl!... Dafür hörten wir dann immer das folgende: wenn auch unsere Visage uns im Stich gelassen habe, sei unsere Seele eine ÄGYPTISCHE.

Und was jetzt? Ägypten verließen wir wie unser Zuhause: wir hielten die Tür auf, konnten sie nicht schließen – eine ununterbrochene Nostalgie. Nu, zunächst haben wir ja alle ihre Traditionen übernommen. Gemischte Ehen. Unsere Kinder – perfekte Ägypter, nur mit den Nasen müssen wir was machen. Und dann sind alle Nachrichten auf Papyrus und natürlich in ägyptischer Sprache, die wir komischer Weise besser als die unsere kennen. Ja und alle Nachrichten sind auch über Ägypten und nur am Ende steht irgend etwas über uns geschrieben, wie wir hier in der Wüste eingehen. Unter uns – auch hier sprechen wir ägyptisch. Nur manchmal hört man dann unser „schlimasl“ oder „mischuginer Kopf“ und direkt drehen sich alle um, kucken mit einem verurteilenden Blick und schütteln den Kopf.

Solch ein Exodus ist daraus geworden, ja! Und wir sehnen uns mit Tränen nach unseren Häusern, Freunden und Arbeit.... Viele sagen: man hat euch dort gehasst! Und ich frage: Gab’s ‘nen Grund weswegen sie uns lieben sollten? Na?... Sehen sie!

Und nun.... Wir leben in der Wüste. Hitze, Sand und Moses fordert die ganze Zeit irgend etwas von uns. Wohl gemerkt kommt öfters was eßbares vom Himmel und aus Steinen fließt Wasser. Nun, ein Wunder ist natürlich ein Wunder, aber man will ja so gerne trotzdem zurück. Von Zeit zu Zeit ziehen ein paar Beduinen an uns nach Ägypten vorbei. Man müsste sie sich mal besser ansehen, sind ja ganz sympathische Bengel. Ihre Sprache ist nur irgendwie seltsam, aber das macht ja nichts – die werden wir schon erlernen. Wir müssen uns ja nicht dran gewöhnen...

***

Nu und, mein lieber Leser, schon fröhlicher? Ich kann schwören sie sind‘s nicht! Und nicht nur das, die Unterlippe hängt irgendwie tiefer und die Falten an den Augen und Mund sind deutlicher geworden. Ach, dieser jüdische Humor, ach, dieses jüdische Glück geteilt mit Tränen und Sarkasmus über sich selbst zum Dessert!

Oder sollte man vielleicht doch versuchen glücklich zu sein? Vielleicht sollte man sich daran erinnern, dass es gar nicht so schlecht ist Jude zu sein, ganz im Gegenteil. Mit dem Volk verbunden zu sein, welches Gott auserwählt hat. Aber wenn Ihnen, lieber Leser, bereits bewusst ist, dass Sie Jude sind, ist damit kein Punkt gesetzt: das reicht noch nicht. Man muss eine private und persönliche Beziehung zu Gott haben.

Opfer ohne Tempel, werden Sie fragen? Nein, mit dem Tempel in Ihrem Herzen und dem Opfer Jeschua, dem Sohn Gottes, der für Sie gestorben ist, mein lieber Leser, und für Ihre Rechtfertigung von den Toten auferstanden ist. Soll Gott in Ihr Herz eintreten und Sie werden sehen, wie sich Ihr Leben verändern wird. Sie werden so viel Freude von der Gemeinschaft mit Gott haben!

Zweifeln Sie nicht! Es ist überprüft und bestätigt worden!

Unser Recht

Schalom! Sie sind immer noch auf Ihrem Platz? Sie wundern mich...

Vielleicht haben Sie keine Bibel? Kein Problem: lassen Sie es uns wissen und wir schicken sie Ihnen per Post. Vielleicht sitzen Sie zu Hause in einem sogenannten modernen Kloster, in Ihren vier Wänden( ich will hoffen, daß Sie mindestens vier Wände haben) und glauben aufrichtig an das „Paradies in der Hütte“? Ich versuche Sie mir vorzustellen: Sie sitzen angenehm in einem Sessel vor einem Fernseher, auf einem hübschen Tisch duftet mit seinem Aroma Ihr Kaffe, Sie lächeln selig im Vorgefühl Ihres verdienten Urlaubs und bereiten sich vor, den sehnlichen Knopf auf der Fernbedienung Ihres supermodernen Fernsehers zu drücken.

„ Warum denn eigentlich nicht“ – könnten Sie sagen. „ Ich habe doch das Recht auf MEINEN eigenen Sessel vor MEINEM modernen Fernseher“, obwohl, wenn es auch ein sehr alter wäre, würde dies die Tatsache nicht ändern, daß „ICH EINFACH DAS RECHT HABE(verstehen Sie) AUF MEINE EIGENE HÜTTE!!!“

Und wissen Sie, was ich Ihnen sagen möchte? Sie haben Recht! 1000 Mal haben Sie Recht! Sie haben das Recht sowohl auf den Fernseher, wie auch auf den Sessel, auf das Kleidergeld, und auf die Reise nach Karlsbad, und auf andere angenehme Dinge, die das Leben verschönern...

Aber wissen Sie was ich Ihnen noch sage? Sie haben das Recht nicht nur auf diese Sachen. Sie haben das Recht auf den Himmel!!! Sie haben das Recht auf eine Beziehung mit Gott!!! Jeschua hat dafür mit Seinem Leben bezahlt. Was bedeutet das?

Wenn Sie den Antrag auf das Kleidergeld(entschuldigen Sie mich bitte für so ein Beispiel) nicht stellen, werden Sie es auch nicht bekommen. Ich weiß, daß Ihr Sozialberater ein wunderbarer Mensch ist und sich um Sie kümmert, aber es gibt auch andere... Wenn Sie einen Sessel, einen Fernseher und eine Kaffeepackung besitzen, dann gibt es nur dann einen Sinn für Ihre Rechte, wenn Sie wirklich dies alles benutzen und diesen Kaffe kochen. Aber warum benutzen dann wir, die sich an kleinen irdischen Dingen erfreuen, nicht das aller größte Recht auf ewiges Leben, ewige Freude, ewige Liebe, mit anderen Worten, auf den Himmel, den Gott uns schenkte? Warum können wir, die sich am eigenen häuslichen Paradies erfreuen, nicht das Recht benutzen, das uns Jeschua auf das wahre Paradies, der von Gott geschaffen wurde, gab?

Wollen wir denn tatsächlich einem Menschen ähnlich werden, der sein Millionenvermögen gegen eine kleine Summe Geld eingetauscht hat, die ihm gerade erlaubte, ein armes Leben zu führen? Diesen Menschen würden wir auslachen...

Also, sitzen Sie immer noch in Ihrem Sessel, vor Ihrem Fernseher?

Öffnen Sie die Bibel und lesen Sie daraus. Dort steht geschrieben, daß Sie das Recht haben, ein Kind Gottes zu sein! Sie haben keine Bibel? Lassen Sie es uns wissen und wir werden sie Ihnen mit großer Freude und kostenlos zuschicken!

Und noch etwas: besuchen Sie unsere Gemeinde. Gemeinde, in der wir Millionäre geworden sind. Wer weiß, vielleicht werden Sie unsere Stühle viel angenehmer als Ihren Sessel vor Ihrem supermodernen Fernseher finden.

Und wie immer: Seien Sie gesegnet! Wir beten für Sie.